„Wir denken bereichsübergreifend“

26.02.2024
Interview mit Kersten Beib, Vertriebsleiter Wood | Biomass

Brettsperrholz (CLT = Cross Laminated Timber) ist ein Massivholz, das im Bauwesen sogar Beton und Stahl ersetzen kann – etwa für Decken, Dächer, Wände und Treppen. Seine Festigkeit, aber auch die enormen Abmessungen der CLT-Produkte machen es äußerst schwierig, die Reststoffe aufzubereiten. Effiziente Zerkleinerungslösungen bietet Vecoplan. Was die Maschinen und den Werkstoff auszeichnen und wie sich die Kompetenz des Anbieters aus anderen Branchen nutzen lässt, weiß Vertriebsleiter Kersten Beib.

Grundlegendes

1. Herr Beib, können Sie erklären, was den Holzwerkstoff CLT für die Bauindustrie so besonders macht?

Brettsperrholz ist äußerst stabil und überzeugt durch eine hohe Festigkeit. Damit zu bauen, ist ökologisch nachhaltiger und fortschrittlicher als mit den in den vergangenen Jahrzehnten in der Mehrzahl verwendeten Werkstoffen wie Beton und Stahl. Aufgrund seiner hohen Festigkeit eignet sich CLT auch hervorragend für den Bau mehrstöckiger Gebäude. In Skandinavien entstehen bereits Gebäude mit Gesamthöhen von annähernd 100 Metern. Das ist in anderen europäischen Ländern wegen behördlicher Auflagen für den Einsatz von Brettsperrholz aktuell noch nicht möglich. Innerhalb der EU werden diese Auflagen unterschiedlich gehandhabt – sogar in Deutschland unterscheidet sich dies von Region zu Region. Erlaubt sind beim Holzbau mit CLT maximal vier Stockwerke. Es ist absehbar, dass sich dies ändern wird, weil die nachhaltige Holz-Bauweise immer beliebter und von immer mehr Regierungen gefördert wird.

2. Wie ist das Material aufgebaut, und warum ist es so extrem stabil?

Brettsperrholz besteht aus mehreren Massivholzschichten, die kreuzweise im 90-Grad-Winkel miteinander verleimt und unter hohem Druck verpresst werden. Das Ergebnis ist ein Material mit einer geringen Dichte und einer erstaunlich hohen Festigkeit und statischen Stabilität. Damit kann es im Hausbau sehr gut Stahl und Beton ersetzen. Es eignet sich zum Beispiel für die Konstruktion von Geschossdecken, Innen- und Außenwänden sowie Dächern. Aufgrund seiner Dichte lässt es sich zudem relativ einfach handhaben.

3. Ist Brettsperrholz teurer als die beiden anderen Werkstoffe?

Noch ist CLT vergleichsweise teuer. Niemand kann in die Glaskugel schauen und exakte Entwicklungen voraussagen, aber es ist mehr als wahrscheinlich, dass sich dies in den kommenden Jahren ändert und sich die Preise an Werkstoffe wie Beton und Stahl angleichen werden. Denn die Anforderungen an nachhaltiges Bauen steigen weiter und die Technologie in der Herstellung von CLT und Fertigteilen für den Hausbau entwickeln sich permanent weiter.

Aufbereitung

4. Die Reststoffe, die bei der Fertigung von Hausbauelementen aus CLT anfallen, lassen sich für die Energie- und Wärmerückgewinnung nutzen. Wie herausfordernd ist es, diese aufzubereiten?

Solange das Material nicht verleimt ist, besteht das Restholz – wie in den Sägewerken auch – aus Spänen oder Brettabschnitten. Diese lassen sich mit den klassischen Methoden bearbeiten. Dafür bieten wir bewährte Lösungen wie unsere Trommelhacker und Förderanlagen unterschiedlichster Art. Bei fertigen Bauteilen ist das dagegen schwieriger. Zum einen sind die Abmessungen recht groß. Fenster- oder Türausschnitte können bis zu zwei mal zwei Meter in Länge und Breite fassen und Dicken bis zu 360 Millimeter.

Dazu kommt die sehr hohe Festigkeit des verleimten Brettsperrholzes. Herkömmliche Zerkleinerungslinien aus den Sägewerken sind hier überfordert. Wir nutzen deshalb bei diesem besonderen Werkstoff unsere Kompetenz und unsere Technik aus dem Geschäftsbereich Recycling I Waste – zum Beispiel mit dem Hochleistungsschredder der Baureihe VAZ.

Der Einwellen-Langsam-Läufer ist in der Lage, diese massiven, großformatigen und relativ festen Resthölzer zu zerkleinern. In einem einstufigen Prozess können Korngrößen kleiner 20 Millimeter erreicht werden. Der Betreiber kann das zerkleinerte Material für die eigene thermische Verwertung nutzen, aber auch brikettieren oder pelletieren. Es ist sortenrein, frei von Fremdkörpern und trocken.

5. Zu Ihren Kunden gehört der finnisch-schwedische Konzern Stora-Enso. Das Unternehmen benötigte für sein neues Werk in Tschechien genau für diese großformatigen Produktionsabfälle aus CLT eine Aufbereitungslinie. Wie konnten Sie dies umsetzen?

Wir installierten unseren Zerkleinerer der Baureihe VAZ 1600. Bei dieser Maschine haben wir verschiedene Ausstattungsmöglichkeiten. Beispielsweise können wir Schwingungsdämpfer anbringen, die die immensen Vibrationen auffangen, die beim Schreddern von CLT entstehen. Das kennen wir sonst nur aus Anwendungen des Geschäftsbereichs Recycling. Der Rotor ist mit Schneidkronen bestückt und in der Größe an das gewünschte Endprodukt und die dafür ausgewählte Sieblochung angepasst. Der Rotormantel kann bei Bedarf aufgepanzert werden. Dies reduziert den Verschleiß durch mechanischen Abrieb. Zum Einsatz kommt unser leistungsstarker Direktantrieb HiTorc. Die rein elektrische Antriebslösung überzeugt vor allem mit ihrem hohen Wirkungsgrad. Verbaut ist zudem eine Rasterkupplung als Fremdkörperschutz: Gelangt ein Fremdkörper in die Maschine, stoppt sie unmittelbar. Dazu kommt ein Sieb mit einem sehr kleinen Lochdurchmesser. Diese einstufige Zerkleinerung des VAZ erübrigt eine Vor- und Nachbearbeitung.

Zugeführt werden die großformatigen Reststücke über ein Förderband oder einen Kran. Um die Maschine damit zu beschicken, haben wir einen Kipp-Trichter vorgeschaltet. Dieser hebt oder senkt sich je nach Füllgrad.

6. Betreut Vecoplan noch weitere Kunden bei der Aufbereitung von Restholz aus der Produktion von fertigen Elementen aus Brettsperrholz – wenn ja, wie sehen dort die Anforderungen aus?

Wir haben einige Kunden, bei denen wir Lösungen für die Aufbereitung von CLT geliefert haben. Und die Anzahl steigt. Bislang haben wir schon einige Anlagen in verschiedenen europäischen Ländern installiert. Die Anforderungen sind dabei sehr ähnlich: die Zerkleinerung großformatiger hochfester Bauteile. Die Unterschiede liegen meist nur in der geforderten Durchsatzleistung. Denn manche Betreiber fertigen zum Beispiel 100 Wohneinheiten in einem Zeitraum, andere in der gleichen Zeit nur 20. Um die passende Lösung zu liefern, statten wir unsere Schredder je nach Bedarf mit größeren oder kleineren Antrieben aus – oder wählen die Maschine entsprechend aus.

Eine Anlage mit umfangreichem Vecoplan-Equipment steht bei unserem Kunden Mayr-Melnhof Holz GmbH in Leoben, Österreich. Für die Entsorgung und Aufbereitung von Restholz aus der CLT-Produktion wurden neben mehreren Fördertechniksystemen und Komponenten zur Separierung auch verschiedene Zerkleinerer integriert: ein Biomassehacker, ein Schredder der Baureihe VAZ 2500 und eine Hammermühle.

Mayr-Melnhof hat das hochmoderne und energieeffiziente Werk im Juni 2023 eingeweiht. Das Unternehmen verwertet das Outputmaterial zu hochwertigen Pellets. Auch die Holzwerke van Roje – das Unternehmen hat seinen Sitz in unmittelbarer Nähe zu unserem Hauptstandort in Bad Marienberg – haben ihr Produktportfolio um eine CLT-Produktion ergänzt. Dort haben wir 2022 eine Entsorgungslinie mit Trommelhacker und verschiedenen Fördersystemen geliefert. Auch van Roje setzt auf thermische Weiterverwertung ihrer Produktionsabfälle in Form von Pellets.

Ausblick

7. Sehen Sie einen zunehmenden Einsatz von CLT?

Definitiv. Dazu gibt es verschiedene Untersuchungen. Die einen sagen, dass die Produktion von CLT weltweit in den kommenden Jahren jährlich im Schnitt um 15 Prozent steigen wird, andere, dass bis 2040 das Volumen gemessen am heutigen Bedarf um das Drei- bis Vierfache zunehmen wird. Die Gründe sind vielfältig und im Wesentlichen vorhin schon erwähnt. In erster Linie geht es um die Anforderungen an nachhaltiges Bauen. Man kann davon ausgehen, dass die Behörden mittelfristig immer höhere Bauweisen mit diesem Werkstoff genehmigen werden. Das sagen zumindest die Prognosen. Und weil der Bedarf ansteigt, entstehen auch immer mehr Werke. Das ist eine Entwicklung, der wir sehr positiv entgegensehen.

8. Entwickeln Sie Ihre Lösungen in diese Richtung weiter?

Der Markt stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen. Das kennen wir schon aus der Vergangenheit. Künftig müssen beim Zerkleinern von CLT möglicherweise noch kleinere Partikel erzeugt werden. Dann gilt es, die Maschinen vor Staub und Explosionsgefahr zu schützen. Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere Anlagen noch energieeffizienter zu gestalten. Die Konfrontation mit diesen Herausforderungen ist wichtig. Nur so ist Fortschritt möglich.

Bei Vecoplan sind wir in der Lage, Lösungen aus anderen Branchen – etwa dem Recycling – für den jeweiligen Anwendungsfall zu adaptieren – ohne Lehrgeld bezahlen zu müssen. Das macht uns auch so wettbewerbsfähig oder besser: hebt uns von vielen Marktbegleitern ab. Wir finden somit auch für sehr schwer handhabbares Material wie eben Brettsperrholz die richtige Technik.

Mit dem Holzwerkstoff CLT (Cross Laminated Timber) lassen sich ganze Häuserwände produzieren. Die dabei anfallenden massiven Produktionsreste können von Vecoplan-Technologie für die Weiterverwendung als Brennstoff aufbereitet werden.

Um enorme Festigkeit und hohe Stabilität des CLT zur erreichen, werden mehrere Massivholzschichten kreuzweise im 90-Grad-Winkel miteinander verleimt und unter Druck verpresst.

Der robuste und zuverlässige Einwellenzerkleinerer VAZ 1600 wurde mit einigen besonderen Features ausgestattet und in die Aufbereitungslinie integriert.

Kersten Beib: „Unser großer Vorteil bei Vecoplan ist, dass wir Lösungen aus anderen Branchen für den jeweiligen Anwendungsfall adaptieren können.“