Aktenvernichtung mit sozialem Auftrag

30.04.2026
Vecoplan liefert Zerkleinerer für Caritas Wendelstein Werkstätten

Die Caritas Wendelstein Werkstätten haben an ihrem Standort „Am Oberfeld" bei Rosenheim eine Aktenvernichtung aufgebaut, die ihren sozialen Auftrag direkt unterstützt. Menschen mit Behinderung übernehmen definierte Arbeitsschritte, während ein Zerkleinerer parallel Aktenmaterial aus gewerblichen und privaten Aufträgen verarbeitet. So entsteht ein Arbeitsalltag, in dem Sicherheit, Struktur und Teilhabe genauso zählen wie die zuverlässige Abwicklung der Aufträge.

Die Wendelstein Werkstätten gehören zur Caritas der Erzdiözese München und Freising, einem der größten Sozialträger Deutschlands. An ihrem Standort „Am Oberfeld" in Raubling bieten sie 120 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung sowie eine Förderstätte mit 24 Plätzen für Menschen mit schwerstmehrfachen Behinderungen. Die Wendelstein Werkstätten bieten Menschen mit Behinderung sinnvolle Arbeit – und damit gesellschaftliche Teilhabe. Einer der wirtschaftlich tragenden Geschäftsbereiche ist die zertifizierte Aktenvernichtung. Mit über 4.000 Kunden aus dem gesamten oberbayerischen Raum hat sich die Einrichtung als professioneller Dienstleister für die datenschutzkonforme Vernichtung von Akten und Datenträgern etabliert. 

Eine Anlage, drei Etagen, ein besonderer Auftrag

Als die Caritas Wendelstein Werkstätten ihren Neubau „Am Oberfeld" planten, stand fest: Die Aktenvernichtung sollte von Anfang an mitgedacht werden. Doch die Anforderungen an die neue Anlage gingen weit über das hinaus, was ein gewöhnliches Aktenvernichtungsprojekt mit sich bringt. Die Aktenvernichtung musste sich in ein architektonisch anspruchsvolles Gebäude einfügen und dabei über drei Geschosse hinweg funktionieren. Im Obergeschoss entstanden Handarbeitsplätze für die Werkstattbeschäftigten, im Erdgeschoss eine Annahmestelle mit Lkw-Station und im Untergeschoss die eigentliche Zerkleinerungstechnik mit Ballenpresse. 

In einer Werkstatt, in der Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung arbeiten, gelten zudem besondere Maßstäbe für Sicherheit und Bedienbarkeit. Brandschutz und Entstaubung mussten so ausgelegt sein, dass auch im Störfall keine Gefährdung für die Beschäftigten entsteht. Gleichzeitig sollte die Anlage so einfach bedienbar sein, dass auch Mitarbeitende ohne technische Ausbildung sie sicher betreiben können. „Hier arbeiten Menschen, die auf besondere Unterstützung angewiesen sind. Das gibt diesem Projekt eine andere Dimension als eine rein industrielle Installation", sagt Bastian Wienen, Area Sales Manager bei Vecoplan. „Dass die Anlage zuverlässig läuft und sicher ist, hat hier eine Bedeutung, die über die technischen Anforderungen hinausgeht."

Hinzu kam der Wunsch, die Kapazität deutlich zu steigern: Die bisherige Anlage, ein Zweiwellenschredder, erreichte eine Nennleistung von rund 800 Kilogramm pro Stunde. Das war zu wenig, um das wachsende Auftragsvolumen der über 4.000 Kunden langfristig bedienen zu können. Die Caritas suchte daher einen Partner, der die gesamte Anlage aus einer Hand liefern konnte: von der Vorplanung mit dem Architektenteam über Engineering, Montage und Elektroinstallation bis zur Inbetriebnahme.

VIZ 1300: besondere Stärke gegen Störstoffe

Der erste Kontakt zu Vecoplan entstand über Fortbildungen der Interessengemeinschaft Datenschutzgeräte (IGD) zum Thema Akten- und Datenträgervernichtung, in denen immer wieder die Vorzüge der Einwellen-Zerkleinerungstechnik zur Sprache kamen. „Auf der IFAT in München haben wir Vecoplan dann persönlich kennengelernt“, erinnert sich Jürgen Baumert, Technische Leitung der Wendelstein Werkstätten. „Danach war für uns klar, dass das die richtige Lösung für unsere Anforderungen ist.“ Vecoplan lieferte eine schlüsselfertige Anlage und übernahm die Umsetzung als Komplettlösung.

Im Zentrum der Anlage steht der Einwellenzerkleinerer VIZ 1300. Die Entscheidung für die Einwellentechnik hatte einen konkreten Hintergrund: Bei Rotorscheren, wie sie zuvor bei den Wendelstein Werkstätten eingesetzt wurden, kann ein einziger massiver Störstoff das komplette Schneidwerk zerstören. Reparaturkosten von 15.000 bis 20.000 Euro sind in solchen Fällen keine Seltenheit. Beim VIZ 1300 muss bei Verschleiß oder Störstoffkontakt nicht das komplette Schneidwerk ersetzt werden. Stattdessen lassen sich einzelne Schneidkronen gezielt drehen oder austauschen, sodass die Maschine schnell wieder einsatzbereit ist und langfristig verfügbar bleibt. Zusätzlich öffnet ein hydraulisches Bodenblech den Zugang zum Schneidraum, sodass Störstoffe in wenigen Minuten selbst im befüllten Zustand entfernt werden können. Die Anlage ist als vertikaler Materialfluss über drei Ebenen ausgelegt: vom Sortier- und Aufgabebereich über Fallschächte und Fördertechnik bis zur Zerkleinerung und Ballenpresse. Die von den Menschen mit Behinderung sortierten Akten fallen durch die Decke ins Untergeschoss, werden dort im Zerkleinerer vernichtet und gelangen dann über eine Förderschnecke und einen Kratzkettenförderer zur Ballenpresse, wo sie zu transportfähigen Ballen gepresst. Auch die Ballenpresse gehörte zum Lieferumfang von Vecoplan.

Zwischen Rohbau und Anlagenmontage

Die Installation der Anlage stellte beide Seiten vor ungewöhnliche Herausforderungen, auch weil die Anlagenkomponenten über drei Gebäudeetagen integriert und eingebracht werden mussten. Rohbau und Anlageninstallation liefen parallel, Treppen und Aufzüge waren monatelang gesperrt. Schwere Anlagenteile mussten über Außengerüste in die oberen Etagen transportiert werden. „Wir hatten es mit einem Projekt zu tun, das so noch keiner von uns gemacht hatte", erklärt Jürgen Baumert. „Vecoplan hat in dieser Situation immer pragmatisch mitgedacht und das Projektziel nie aus den Augen verloren."

Brandschutz und Entstaubung waren von Anfang an fester Bestandteil der Planung, keine nachträglichen Ergänzungen. Bei Rauchentwicklung fahren vollautomatische Brandschutzklappen zu und verhindern so, dass sich der Rauch durch den Schornsteineffekt in die oberen Etagen des Gebäudes zieht. Ein Funken-Detektor erkennt potenzielle Zündquellen und Glutnester, bevor ein Brand entstehen kann. Die Entstaubungsanlage saugt an jeder Materialübergabestelle ab, an der Ballenpresse ebenso wie am Zerkleinerer und an der Übergabehaube im Erdgeschoss. Das schützt die Mitarbeitenden vor Staubbelastung und verhindert, dass sich explosionsfähige Atmosphären bilden.

Stabil im Betrieb, stärker in der Wirkung

„Seit der Inbetriebnahme läuft die Anlage so, wie wir es uns erhofft haben“, erklärt Jürgen Baumert. „Die Gesamtanlage läuft zuverlässig, der Betrieb ist stabil, und bislang hat sich kein nennenswerter Verschleiß gezeigt.“ Auch beim Durchsatz hat sich die Investition ausgezahlt: Die neue Anlage verarbeitet bis zu 2,4 Tonnen Material pro Stunde, gegenüber 800 Kilogramm der alten Anlage. Die gestiegene Kapazität schafft dabei mehr als nur betriebliche Effizienz. Sie ermöglicht es den Wendelstein Werkstätten, ihrem eigentlichen Auftrag besser nachzukommen: Menschen mit Behinderung sinnvolle und geschützte Arbeitsplätze anzubieten. 

Auch im laufenden Betrieb ist Vecoplan präsent. Über das Vecoplan Smart Center (VSC) wird die Anlage remote überwacht. Störungen können aus der Ferne diagnostiziert und häufig direkt behoben werden. „Kurz nach der Inbetriebnahme gab es einen Fehler beim Förderband, das das Material in den Zerkleinerer führt", sagt Jürgen Baumert. „Obwohl die Ursache nicht an der Vecoplan-Anlage lag, war der Service sofort zur Stelle und hat uns geholfen, das Problem zu lösen.“

Was als technisches Projekt begann, ist heute ein fester Bestandteil des Alltags in einem der modernsten Werkstattgebäude Bayerns und ein Beispiel dafür, dass industrielle Anlagentechnik und sozialer Auftrag kein Widerspruch sind. Die Aktenvernichtung sichert den Werkstätten nicht nur Einnahmen, sondern bietet den dort arbeitenden Menschen eine sinnvolle und verlässliche Tätigkeit.

Am Standort „Am Oberfeld" in Raubling bieten die Wendelstein Werkstätten 120 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung sowie eine Förderstätte mit 24 Plätzen für Menschen mit schwerstmehrfachen Behinderungen.

Im Zentrum der Aktenvernichtungsanlage stand der Einwellenzerkleinerer VIZ 1300. Die neue Anlage verarbeitet bis zu 2,4 Tonnen Material pro Stunde, gegenüber 800 Kilogramm der alten Anlage.

In einer Werkstatt, in der Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung arbeiten, gelten besondere Maßstäbe für Sicherheit und Bedienbarkeit. Die Anlage sollte so einfach bedienbar sein, dass auch Mitarbeitende ohne technische Ausbildung sie sicher betreiben können.

Im Obergeschoss entstanden Handarbeitsplätze für die Werkstattbeschäftigten, im Erdgeschoss eine Annahmestelle mit Lkw-Station und im Untergeschoss die eigentliche Zerkleinerungstechnik mit Ballenpresse.

Auch die Ballenpresse gehörte zum Lieferumfang von Vecoplan.